Beratung von und für Menschen mit Behinderung…
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Der Weltbehindertentag 2011

Anlässlich des Weltbehindertentag hat das ZSL einen Artikel in diversen lokalen Zeitungen veröffentlicht, um auf Missstände der Situation von behinderten Menschen aufmerksam zu machen. Nachfolgend ist der Artikel ebenfalls nachlesbar:

Menschen mit Behinderungen und ihre Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft.

Seit die UN-Vollversammlung am 3. Dezember 1983 den Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung eingeführt hat, liegt an diesem Tag ein besonderer Fokus der Weltöffentlichkeit auf Belangen von Menschen mit Behinderung. In allen Ländern dieser Erde wird an diesem Tag mit unterschiedlichen Veranstaltungen verschiedener Interessengruppen, Selbsthilfegruppen und anderer Organisationen auf die Situation von Menschen mit Behinderung und deren Anliegen aufmerksam gemacht.

Dies ist ja an und für sich nichts ungewöhnliches, allerdings haben Menschen mit Behinderung erst seit 2006 ein verbrieftes Recht darauf seitens der öffentlichen Hand bei der Gewährleistung, (aller) Menschenrechte und Grundfreiheiten […] ohne jede Diskriminierung aufgrund von Behinderungen unterstützt zu werden. Konkret heißt das, dass Menschen aufgrund der Einschränkungen durch ihre Behinderung die Teilhabe und Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglicht werden muss. Das fängt für behinderte Menschen damit an, dass beispielweise bei der Planung neuer Bauvorhaben im Straßenverkehr auf abgesenkte Bürgersteige geachtet werden muss, um das Überqueren der Straße für sie so einfach wie möglich zu machen, und endet mit der Suche nach einer Arztpraxis, die ohne Treppen, möglichst ebenerdig oder über einen Aufzug befahrbar ist und deren Behandlungsräume über genügend Platz zum Navigieren mit einem Rollstuhl verfügt.

Auch die Gestaltung der Freizeitaktivitäten kann zum Albtraum werden: abgesehen vom Mangel an behindertengerechten Parkplätzen in Bad Kreuznach, ist es schwierig, eine geeignete Örtlichkeit zum Essengehen oder Kaffeetrinken zu finden, die über genügend Platz und günstigstenfalls über behindertengerechte Toiletten verfügt. Dies ist auch ein hoch aktuelles Thema beim (behindertengerechten) Umbau des Bad Kreuznacher Bahnhofs: da es weder in den Zügen noch auf dem Bahnhofsgelände Toiletten für Rollstuhlfahrer gibt. Viele Betroffene sehen den Bahnhofsvorplatz (Europaplatz) als am besten geeigneten Standort an, weil er als verbindender und zentraler Schnittpunkt aller Verkehrsbereiche (Fußgänger und Rollstuhlfahrer, Pkw-Parkplätze, Bushaltestellen und der Bahnverkehr) bereits von allen Bürgern und Bürgerinnen genutzt wird.

Unser Verein Zentrum für Selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen, Bad Kreuznach e.V. (ZSL) hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Leben von Menschen mit Behinderung dadurch zu verbessern und angenehmer zu gestalten, dass wir uns in all diesen Bereichen für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention einsetzen. Deshalb sind wir in den etablierten Gremien in Bad Kreuznach vertreten und engagieren uns im Rahmen dieser Arbeit aktiv die lokale Tagespolitik mit. Darüber hinaus beraten und begleiten wir betroffene Menschen und ihre Angehörigen bei Problemen aller Art. Diese Interessenvertretung ist dringend notwendig, da seit Inkrafttreten die Anwendung der Leistungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen im SGB IX sowie die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention durch widersprüchliche Paragraphen im Sozialgesetzbuch VII reduziert und teilweise sogar verhindert werden.

Dies geht zu Lasten der Betroffenen, die neben den alltäglichen Herausforderungen meistens nicht die finanziellen und gesundheitlichen Ressourcen haben, sich ihr Recht auf dem Rechtsweg zu erstreiten. Außerdem ist es für beeinträchtigte Menschen unzumutbar, in dieser Rechtsunsicherheit zu leben. Im Gegenteil: Menschen, die auf Hilfe der Gesellschaft angewiesen sind, brauchen Sicherheit und Unterstützung. Bundesweit wird deshalb immer eindringlicher gefordert, die Behindertenhilfe aus der Sozialhilfe auszugliedern und dafür endlich ein Bundesleistungsgesetz für Menschen mit Behinderungen zu etablieren.

Es gibt noch viele Baustellen in der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention und des SGB IX, die parteiübergreifend, von vielen Verbänden und Vereinen, sowie von den Betroffenen selbst in das Bewusstsein und in die Öffentlichkeit der Gesellschaft gerückt werden müssen. Dies ist und bleibt unser aller Ziel, das es heute, morgen und in Zukunft zu verfolgen gilt.

Andreas Krämer, ZSL Bad Kreuznach e.V.

SLANG Radio hat sein Programm zu diesem Anlass am 03.12.2011 umgestellt und bringt von 10:00 bis 18:00 Uhr eine Informationsreihe zu diversen Themen rund um Menschen mit Behinderung. Weitere Informationen finden Sie auf www.sloganradio.de

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